Lohnt sich ein E-Auto ohne heimische Ladeoption?

Eine eigene Wallbox gilt als einer der größten Vorteile eines E-Autos. Schließlich kann man zu Hause laden, während der Verbrenner regelmäßig zur Tankstelle muss. In unserer Beispielrechnung zum Kostenvergleich E-Auto vs. Verbrenner ergab sich dabei ein Kostenvorteil von bis zu 13.800 € über 10 Jahre.
Aber was, wenn du keine eigene Lademöglichkeit zu Hause und auch keine Ladesäule am Arbeitsplatz hast? Musst du dann auf den Kostenvorteil eines E-Autos verzichten?
Nein. Auch ohne heimische Ladesäule kann ein E-Auto im Alltag wirtschaftlich sein. Entscheidend ist, wo und mit welchem Tarif du lädst.
Öffentlich laden muss nicht teuer sein
Die Preise an öffentlichen Ladesäulen unterscheiden sich teilweise erheblich. Vor allem die Ladeleistung und der gewählte Ladetarif machen einen großen Unterschied.
An vielen Schnellladesäulen liegen die Preise inzwischen bei rund 0,70 bis 0,90 € pro kWh. Wer ausschließlich dort lädt, fährt deshalb deutlich teurer als mit günstigeren Lademöglichkeiten.
Im Alltag gibt es aber häufig günstigere Möglichkeiten:
- Öffentliche AC-Ladesäulen gibt es teilweise für unter 0,45 € pro kWh.
- Bei einzelnen Angeboten sind sogar Preise um 0,30 € pro kWh möglich.
- Supermärkte wie ALDI, Lidl oder Kaufland bieten je nach Standort ebenfalls attraktive Lademöglichkeiten für rund 0,30 € pro kWh.
- Mit dem passenden Ladetarif lassen sich auch bei großen Ladenetzbetreibern die Kosten deutlich reduzieren.
Das bedeutet: Wer keine Wallbox besitzt, muss nicht automatisch bei jeder Fahrt auf die teuerste Schnellladesäule zurückgreifen.
Der Ladetarif macht einen großen Unterschied
Ein gutes Beispiel ist EnBW. Im Standardtarif kostet die Kilowattstunde aktuell 0,56 €. Mit einem Tarif inklusive monatlicher Grundgebühr kann der Preis auf 0,39 € pro kWh sinken.
Die monatliche Grundgebühr lohnt sich dabei bereits bei vergleichsweise niedrigen Fahrleistungen. Bei rund 70 kWh Ladebedarf pro Monat ist der günstigere Tarif bereits rechnerisch günstiger. 70 kWh entsprechen – abhängig von Fahrzeug, Fahrweise und Temperatur – ungefähr 350 bis 500 Kilometern Fahrleistung.
Wer also regelmäßig öffentlich lädt, sollte nicht nur auf den Preis achten, der direkt an der Ladesäule angezeigt wird. Ein passender Ladetarif kann die tatsächlichen Ladekosten deutlich reduzieren.
Was kostet das E-Auto dann wirklich?
Auch wenn der Strom vollständig an öffentlichen Ladesäulen bezogen wird, kann ein E-Auto über die gesamte Haltedauer günstiger sein als ein vergleichbarer Verbrenner.
In unserer Beispielrechnung ist das E-Auto bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von 12.000 km pro Jahr über zehn Jahre rund 6.631 € günstiger. Berücksichtigt werden dabei neben den Ladekosten auch Anschaffung, Versicherung, Wartung und Reparaturen.
Die ausführliche Herleitung des Kostenvorteils findest du hier: Beispielrechnung E-Auto vs. Verbrenner
Der Unterschied zur dortigen Beispielrechnung mit 100 % Heimladen entsteht vor allem durch den günstigeren angenommenen Strompreis von 0,39 € statt 0,40 € pro kWh sowie durch die zusätzliche monatliche Grundgebühr von 11,99 € für den günstigeren Ladetarif.
Dabei handelt es sich selbstverständlich um eine Beispielrechnung auf Basis bestimmter Annahmen und Durchschnittswerte. Je nach Fahrprofil, Fahrzeug, Ladetarif sowie der Entwicklung von Strom- und Kraftstoffpreisen kann der tatsächliche Kostenvorteil deutlich abweichen.
Wichtig ist:
Auch ohne eigene Lademöglichkeit kann sich der Kostenvorteil eines E-Autos über die Jahre deutlich summieren.
Eine fehlende eigene Ladesäule bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ein E-Auto teuer im Betrieb ist. Wer überwiegend günstige öffentliche Lademöglichkeiten nutzt, kann auch ohne eigene Wallbox niedrige laufende Kosten erreichen.
Welche Ladekarte ist die richtige?
Wer regelmäßig öffentlich lädt, sollte sich außerdem nicht auf eine einzige Ladekarte verlassen.
Der Grund: Der Preis an einer Ladesäule hängt nicht immer nur vom Betreiber der Säule ab. Je nachdem, welche Ladekarte oder welcher Tarif verwendet wird, können für dieselbe Ladesäule unterschiedliche Preise entstehen.
Ein Vergleich lohnt sich daher insbesondere bei regelmäßig genutzten Ladestationen. Hier könnt ihr verschiedene Ladekarten vergleichen: Ladekarten-Vergleich
Vergleich ausgewählter Ladenetzbetreiber
| Anbieter | Standard-Ladepreis | Günstigster Tarif* |
|---|---|---|
| EnBW | 0,56 €/kWh | 0,39 €/kWh + 11,99 €/Monat |
| EWE Go | 0,52 €/kWh | – |
| IONITY | 0,68 €/kWh | 0,41 €/kWh + 11,99 €/Monat |
| Fastned | 0,69 €/kWh | 0,49 €/kWh + 11,99 €/Monat |
Gerade bei längeren Fahrten oder Urlaubsreisen kann es sich deshalb lohnen, mehrere Ladekarten bzw. Lade-Apps zu nutzen und vor dem Laden kurz den Preis zu vergleichen.
Ich persönlich nutze beispielsweise Plugsurfing, EnBW und Tesla Supercharger inklusive Abo, um je nach Situation auf unterschiedliche Lademöglichkeiten zurückgreifen zu können.
Fazit: Keine Lademöglichkeit zu Hause ist kein Ausschlusskriterium
Eine eigene Lademöglichkeit – egal ob Wallbox oder 230-V-Steckdose – ist komfortabel und kann das Laden besonders günstig machen. Sie ist aber keine Voraussetzung für ein wirtschaftliches E-Auto.
Eine Ladesäule in der Nähe der Wohnung, am Arbeitsplatz, beim Supermarkt und ein passender Ladetarif können ausreichen, um die laufenden Kosten deutlich unter denen eines vergleichbaren Verbrenners zu halten.
Wenn du also über ein E-Auto nachdenkst, aber keine eigene Lademöglichkeit hast, ist das kein Grund, das Thema direkt abzuhaken. Entscheidend ist dein individuelles Fahr- und Ladeprofil.
Du bist noch unsicher, welches E-Auto zu dir passt?
Ich analysiere dein Fahrprofil, deine Anforderungen und dein Budget und finde passende E-Autos für deinen Alltag.
